Du planst Tokio in 3 Tagen und bist zum ersten Mal dort? Dann ist das hier der Plan, den wir auch unseren eigenen Freunden geben: drei Tage, eine Runde durch ein Viertel pro Tag, und jeder Abend gehört dem, was Tokio besser kann als jede andere Stadt, dem Nachtleben. Unser Guide Alejandro lebt seit 2016 hier und hat über 1.000 Gäste durch die Stadt geführt, und das Muster ist immer dasselbe: Erstbesucher haken Tempel und die berühmte Kreuzung ab, sind um 20 Uhr wieder im Hotel und verpassen die Hälfte von Tokio, die in winzigen Bars und verrauchten Gassen stattfindet.
Wie viele Tage braucht man für Tokio? Für den ersten Besuch reichen drei, wenn du die Sehenswürdigkeiten nach Vierteln bündelst, statt kreuz und quer durch die Stadt zu fahren. Und Tag 3 führt dich an einen Ort, den kaum eine Top-10-Liste erwähnt: Kichijoji, 15 Minuten westlich von Shinjuku.
Vor der Landung: Suica, Bargeld und die richtige Unterkunft
Zuerst eine IC-Karte. Mit Suica oder PASMO fährst du in fast allen Zügen, U-Bahnen und Bussen der Stadt und zahlst auch im Konbini, am Getränkeautomaten und an Schließfächern. Auf dem iPhone ist die Suica in einer Minute in Apple Wallet. Die meisten außerhalb Japans gekauften Android-Handys können das nicht, also hol dir gleich am Flughafen eine physische Karte oder die Besucherversion Welcome Suica.
Vom Flughafen in die Stadt. Ab Narita erreicht der Narita Express den Bahnhof Tokyo in etwa einer Stunde und fährt weiter nach Shinjuku und Shibuya; der Keisei Skyliner bringt dich in rund 40 Minuten nach Nippori und Ueno. Haneda liegt viel näher: Die Keikyu-Linie ist in etwa 15 Minuten in Shinagawa, manche Züge fahren direkt bis Asakusa durch, und die Tokyo Monorail braucht rund 20 Minuten nach Hamamatsucho. Airport-Limousine-Busse halten an vielen großen Hotels, falls du mit Gepäck nicht umsteigen willst.
Bar oder Karte? Karten funktionieren inzwischen in den meisten Läden, Ketten und Hotels. Kleine Izakaya, Marktstände, viele Glücksbringer-Schalter an Schreinen und manche Ticketautomaten in Ramen-Läden nehmen aber nur Bargeld. Hab etwa 10.000 Yen im Portemonnaie und heb an Automaten von 7-Eleven (Seven Bank) oder Japan Post ab, die die meisten ausländischen Karten akzeptieren.
Wo übernachten? Shinjuku und Shibuya liegen an den wichtigsten Bahnlinien, das Nachtleben direkt vor der Tür. Ueno und Asakusa sind ruhiger und oft günstiger. Egal wo: Ein paar Gehminuten zum nächsten Bahnhof sind wichtiger als der Name des Viertels.
Tag 1: Asakusa, der Senso-ji und ein Abend im alten Tokio
Starte mit Frühstück auf dem Tsukiji Outer Market. Der Fischgroßmarkt ist 2018 nach Toyosu umgezogen, aber in den Gassen drumherum gibt es nach wie vor Tamagoyaki am Spieß, gegrillte Jakobsmuscheln und Schalen mit frischem Thunfisch auf Reis. Komm zwischen 8 und 11 Uhr: Die meisten Stände schließen am frühen Nachmittag, viele haben sonntags, an Feiertagen und an manchen Mittwochen zu. Wirf also vorher einen Blick in den Marktkalender.
Von der Station Higashi-ginza, ein paar Gehminuten vom Markt, bringt dich die Toei-Asakusa-Linie in etwa zehn Minuten direkt nach Asakusa. Geh durch das rote Kaminarimon-Tor, vorbei an den Snackständen der Nakamise-dori, zum Senso-ji, Tokios ältestem Tempel. Fächle dir etwas Räucherstäbchen-Rauch zu, zieh ein Omikuji-Orakel (ein schlechtes bindest du an das Gestell und lässt es dort) und iss deine Snacks direkt am Stand statt im Gehen. Für den Nachmittag such dir eins aus: die Küchenstraße Kappabashi, einen Spaziergang am Sumida-Fluss oder den Blick vom Tokyo Skytree auf der anderen Flussseite.
Der Tipp vom Local: Komm nach Sonnenuntergang zum Senso-ji zurück. Die Haupthalle schließt gegen 18 Uhr, aber das Gelände bleibt offen, Tor und fünfstöckige Pagode sind bis etwa 23 Uhr beleuchtet, und die Reisegruppen sind weg. Dann sind es drei Minuten zu Fuß nach Westen zur Hoppy Street, einer Reihe schnörkelloser Izakaya mit Hockern bis auf den Gehweg. Bestell Rindersehnen-Eintopf (Nikomi), ein paar Yakitori-Spieße und ein Hoppy, das bierähnliche Getränk, das man in ein Glas Shochu gießt. Rechne mit rund 500–700 Yen pro Drink.

Tag 2: Meiji-Schrein, Harajuku und Shinjuku bei Nacht
Der Meiji Jingu öffnet bei Sonnenaufgang und schließt bei Sonnenuntergang, und der Kiesweg unter dem riesigen Zypressen-Torii ist vor 9 Uhr am ruhigsten. Verbeuge dich einmal unter dem Tor, spül dir am Wasserbecken die Hände und plane eine Stunde ein; der Hauptschrein liegt zehn Gehminuten vom Bahnhof Harajuku entfernt. Gleich nebenan empfängt dich Harajuku mit der gegenteiligen Energie. Zwanzig Minuten auf der Takeshita-dori reichen völlig; danach schlenderst du über die ruhigere Cat Street hinunter nach Shibuya, etwa 20 Minuten zu Fuß.
Die Shibuya-Kreuzung solltest du zweimal sehen: einmal mittendrin, einmal von oben. Die Fußgängerbrücken rund um den Bahnhof Shibuya bieten kostenlose Aussicht, Shibuya Sky ist die kostenpflichtige Dachterrassen-Version, deren Slots zum Sonnenuntergang zuerst ausverkauft sind. Also früh buchen. Am Nachmittag tauschst du Menschenmassen gegen Farben bei teamLab. teamLab Borderless in den Azabudai Hills ist 20 bis 30 Minuten mit der Bahn von Shibuya entfernt, teamLab Planets in Toyosu ist eine gute Alternative für Regentage. Beide arbeiten mit Zeitfenster-Tickets, die du vor der Reise reservierst.
Der Abend gehört Shinjuku. Fang im Omoide Yokocho am Westausgang an, einer schmalen Gasse voller Yakitori-Theken, an denen du Schulter an Schulter mit Büroangestellten sitzt. Dann geht es rüber nach Golden Gai, ein paar enge Gassen voller winziger Bars, viele mit weniger als zehn Plätzen. Etliche verlangen eine Sitzgebühr und manche lassen nur Stammgäste rein, also halte nach Türen mit englischer Karte oder Willkommensschild Ausschau und frag nach der Gebühr, bevor du dich setzt. Eine feste Regel: Folge niemals den Schleppern in Kabukicho, egal wie freundlich sie wirken. Den kompletten Überblick über die Viertel findest du in unserem Guide Was tun in Tokio bei Nacht.

Tag 3: Kichijoji, Inokashira-Park und deine große Nacht
Beginne mit einem entspannten Vormittag im Shinjuku Gyoen, der einen japanischen Garten, einen französischen Barockgarten und eine englische Rasenlandschaft in einem Park vereint. Er öffnet um 9 Uhr, der Eintritt kostet 500 Yen, montags ist meist geschlossen und Alkohol ist verboten, heb dir die Drinks also für später auf. Dann fährst du mit dem Schnellzug der JR-Chuo-Linie von Shinjuku nach Westen, etwa 15 Minuten, bis Kichijoji in der Stadt Musashino, dem Viertel, das in japanischen Rankings der beliebtesten Wohngegenden regelmäßig ganz oben steht.
Nimm den Park-Ausgang, dann sind es fünf Gehminuten hinunter zum Inokashira-Park. Miete ein Ruder- oder Schwanenboot auf dem Teich und besuche, wenn du vorausgeplant hast, das Ghibli-Museum am Mitaka-Ende des Parks. Tickets gibt es nur im Voraus, nie an der Tür. Danach gehst du zurück auf die Nordseite des Bahnhofs und bummelst durch die Harmonica Yokocho, solange die Rollläden noch halb unten sind. Unser Guide zur Harmonica Yokocho erzählt dir alles über die Gasse.
Wenn es dunkel wird, verwandelt sich die Harmonica Yokocho in ein Labyrinth aus rund 100 winzigen Nachkriegsbars und Lokalen, manche mit nur fünf oder sechs Plätzen, mit handgeschriebenen Karten auf Japanisch und Türen, die alle verschlossen wirken. Genau deshalb haben wir unsere Tour Versteckte Bars in Kichijoji dort aufgebaut: vier Stunden durch versteckte Bars in Kichijoji und Harmonica Yokocho, dazu verschiedene japanische Cocktails, 120 USD pro Person, Dienstag bis Sonntag ab 19:00 Uhr, maximal 8 Gäste. Wir treffen uns am Park-Ausgang des Bahnhofs Kichijoji, öffnen die Türen, übersetzen die Gespräche und zeigen dir, wie man trinkt wie ein Stammgast. Buch früh, wenn dein Tag 3 auf einen Freitag oder Samstag fällt, denn 8 Plätze sind schnell weg.

Wo du beim ersten Besuch essen solltest
Sushi vom Förderband ist günstig, macht Spaß und passt zu jeder Uhrzeit. Ramen-Läden haben oft einen Ticketautomaten am Eingang: erst zahlen, Ticket abgeben, hinsetzen. Die Feinkostetagen im Untergeschoss der Kaufhäuser (Depachika) sind ideal für ein Picknick, und ein Eiersandwich aus dem Konbini ist ein ernsthaft gutes Frühstück.
Im Izakaya kommt oft eine kleine Vorspeise namens Otoshi, ohne dass du sie bestellt hast. Das ist eine Gedeckgebühr von ein paar hundert Yen, kein Versehen. Bestell immer ein paar Gerichte auf einmal, teil alles und sag „Kanpai“ vor dem ersten Schluck. Wenn du einen zweiten Abend in einem anderen Viertel verbringen willst: Unsere Tour Tacos & Beers Bar Hopping in Tokio beginnt und endet bei Tacos 3 Hermanos in Shimokitazawa, mit einem Teller Tacos zum Teilen und einem Getränk in der ersten Bar, danach ein lokales Izakaya und eine versteckte Bar. Sie dauert 3 Stunden, kostet 100 USD pro Person, läuft Dienstag bis Sonntag um 18:00 Uhr, maximal 10 Gäste. Mehr Ideen findest du unter Wo man in Tokio abends isst.

Knigge für Erstbesucher: Züge, Trinkgeld, Bargeld und Rauchen
- Kein Trinkgeld. Weder im Restaurant noch im Taxi oder in der Bar. Lässt du Geld auf dem Tisch liegen, rennt dir womöglich jemand hinterher, um es zurückzugeben.
- Ruhe im Zug. Keine Telefonate, leise Stimmen und der Rucksack zur Rushhour vorne. Auf Rolltreppen in Tokio stehst du links.
- Kenne deinen letzten Zug. Die meisten Linien fahren nur bis etwa 0:00 bis 0:30 Uhr, die ersten Züge starten gegen 5 Uhr. Check deinen Heimweg vor der zweiten Runde oder plane ein Taxi ein.
- Nimm deinen Müll mit. Öffentliche Mülleimer sind selten, also ab damit ins Hotel oder in den Eimer im Konbini.
- Rauchen nur in ausgewiesenen Bereichen. Auf der Straße ist Rauchen in weiten Teilen der Innenstadt verboten, auch wenn manche kleine Bars es drinnen noch erlauben.
- Alkohol ab 20. Bars können nach einem Ausweis fragen, und Besucher müssen ihren Reisepass ohnehin immer dabeihaben. Alle unsere Touren sind ab 20.
- Schuhe aus, sobald du einen erhöhten Boden, Tatami-Matten oder eine ordentliche Reihe Hausschuhe siehst.
Tokio in 3 Tagen: Was du auslassen kannst
Wir würden uns sparen: eine Stunde Schlangestehen für das virale Dessert des Monats, mehr als zwanzig Minuten auf der Takeshita-dori und einen Tagesausflug zum Fuji plus Freizeitpark in einen Drei-Tage-Trip zu quetschen. Tokio belohnt Tiefe, keine Checkliste.
Was wir nie auslassen: einen Abend in einem Yokocho, den beleuchteten Senso-ji, einen ruhigen Morgen im Park und mindestens eine Nacht, in der dich jemand von hier durch eine Tür führt, die du allein nie geöffnet hättest.
Bereit für Tag 3? Reservier diesen Abend für Versteckte Bars in Kichijoji und überlass uns die Türen, die Karten und die Rechnerei mit dem letzten Zug. Wir sehen uns um 19:00 Uhr am Park-Ausgang.

